Lebensqualität in the city / Quality of Life in cities worldwide

(ENGLISH version below. Lesedauer 4 Min.)

Viele kennen das. Das eigene Leben soll bitte schön aufregend sein, in einer aufregenden Stadt eines aufregenden Landes, mit einem aufregenden Partner und einem aufregenden Job. Kaum kommt man ein bisschen zur Ruhe, ploppt die Frage auf, wo es als nächstes hin soll. Insbesondere bei den, wie ich sie liebevoll nenne, “Ausland-Junkies”, nämlich denjenigen die sich immer mehr mit neuen Eindrücken und Erfahrungen aus der Fremde füttern wollen.

Heutzutage (oder ist es vielleicht altersbedingt?) gibt man der sogenannten Work-Life-Balance und solchen Werten, die zu einer besseren Lebensqualität führen, wesentlich mehr Bedeutung. Es muss keine Großstadt mehr sein, in der man sich mit einer 10qm-Bruchbude für eine unverschämt hohe Miete, die über 2/3 Deines Gehalts ausmacht, abfinden muss (und sogar will). Die Traumvorstellung heute: Eine günstige, aber hübsche Wohnung, in einer sicheren Lage, die es einem leicht macht, überall hinzukommen, wo es nötig ist. Eine Arbeitsstelle, die nicht nur das nötige Geld im Monat bringt, sondern auch ein bisschen Spaß macht, aber ohne Überstunden natürlich. Eine Familie, die man nah bei sich hat, in einer sicheren Stadt, in der man also keine Angst um sie haben muss. Eine nette Nachbarschaft, mit der man ein soziales Umfeld aufbauen kann, in dem man füreinander da ist. Das ist wünschenswert in jedem Alter. Aufregung steht dabei nicht mehr an erster Stelle.
Wenn man also neu in eine Stadt zieht, zieht man in dieser Epoche doch einige neue Kriterien zur Entscheidungsfindung in Erwägung.

Aktuelle Städte-Rankings in Bezug auf Lebensqualität und die besten Metropolen für junge Leute spiegeln genau das wieder.
Weltenbummler und Expats, die schon einmal längere Zeit in großen chaotischen Städten der Welt gelebt haben, interessieren sich wahrscheinlich am meisten für diese Rankings. Dadurch können sie ihre eigenen Erfahrungen mit den Forschungsergebnissen abgleichen.
Von meinen eigenen Auslandserfahrungen war Neu-Dehli bei Ankunft die schockierendste Stadt, und Sao Paulo am Anfang die furchterregendste. Man gewöhnt sich aber mit der Zeit ja an alles. Und zwar so schnell und so sehr, dass sich die Wahrnehmung auch daran anpasst, und man die Nachteile solcher Großtädte nicht mehr so schlimm findet.

Mit meiner Rückkehr nach München wurde mir erst so richtig bewusst, wie stressig Sao Paulo eigentlich ist. Irgendwo hinzugehen, einfach nur ins Zentrum, erforderte eine ungewohnt intensive Planung. Die subtilste Art von „Stress“ war die ständige Angst, ausgeraubt und angegriffen zu werden. Deshalb wurde das Planen Teil der Tagesroutine. Was nehme ich heute mit, was lasse ich Zuhause? Brauche ich die Kamera? Nehme ich lieber mein uraltes Handy statt des neuen aus Deutschland mit? Nehme ich für den Fall der Fälle den zweiten Geldbeutel mit etwas Geld mit, um es dem Räuber zu geben? Ziehe ich mich heute hübsch an, oder würde ich damit zu sehr auffallen und ein Opfer werden? Hohe Schuhe, oder lieber die flachen, damit ich besser weglaufen kann? Schmuck… bleibt lieber für Parties bei mir Zuhause. Meinen Pass, besser als Kopie… Brauche ich heute meine Kreditkarte?
Dann ist da der Verkehr und der Mangel eines wirklich praktischen U-Bahn-Netzes, geschweige denn von der Infrastruktur. Es kommt nicht selten vor, dass man 20 Minuten zu einer U-Bahn-Station laufen muss, um nur 2 Haltestellen abzufahren, um dann wieder 20 Minuten zu Fuß zu gehen. Es sei denn man nimmt zwischendurch den Bus, der nicht nach Fahrplan fährt, und man deshalb nicht weiß, wann und ob man dort ankommt, wo man hin will.
Und dann ist da das Wetter. Feucht, zeitweise tropische Regenfälle, überschwemmte Straßen… Manchmal ist es so dermaßen heiß, dass man nicht aus dem Schwitzen kommt. Abhängig von den Vorhaben (offizielles Meeting, Präsentation, Vorstellunsggespräch?) stellt sich immer die herausfordernde Frage, wie man sich am besten anzieht, ohne wegen nasser Kleidung, egal ob wegen Regens oder Schweiß, unangenehm aufzufallen.
Von Alltagsfaktoren mal abgesehen, fühlt man sich durch die Korruption sowohl in der Regierung als auch bei der Polizei auch noch ziemlich allein gelassen, sollte es mal darauf ankommen, was in so einer Stadt ja viel wahrscheinlicher ist als üblich.
Obwohl ich Sao Paulo aus sehr vielen Gründen wirklich sehr liebe, könnte ich eine sehr lange Liste von Nachteilen dieser Stadt nennen.

Wenig überraschend ist, dass Sao Paulo offensichtlich keine Chance hat, in solchen Rankings vorzukommen. Aber auch New York oder Los Angeles bleiben außen vor. Hingegen ist München in fast allen Rankings inkludiert.
In Bezug auf Lebensqualität ist Deutschland in der 2016er Bewertung sogar mit 3 Städten (München, Düsseldorf, Frankfurt) unter den ersten 7 positioniert.
Bei der Hitparade der besten Metropolen für junge Leute folgt München unserer Hauptstadt Berlin auf dem 9. Platz. Metropolen wie New York, Los Angeles oder London haben es leider auch nicht in diese Liste geschafft.

Es scheint, als ob gerade ein Wandel unserer Bedürfnisse stattfindet, wo Sicherheit immer wichtiger geworden ist. Das lässt sich wahrscheinlich aus der aktuellen politischen und gewalttätigen Lage der Welt erklären.
Was auch immer wir bevorzugen, ob Sicherheit oder Aufregung, es lohnt ein Blick auf die Bewertung durch die Beratungsfirma “Mercer”. Wer derzeit darüber nachdenkt, ins Ausland zu ziehen, findet in den Rankings bestimmt aufschlussreiche Anhaltspunkte zur Entscheidungsfindung. Aber man sollte dabei auch nicht vergessen, auf sein Herz zu hören.

++

English Version:
Moving abroad is the most exciting and astriving thing for many people. But not for everone at all costs. My personal impression is that we become more and more selective about the cities and countries to move to. Less risk, more safety – is there a shift of priority nowadays?

A way to decide where to move to can be to look at the annual rankings of the places with the best quality of life. This year’s evaluation about that, and which metropolis are best for young people to live at, are out now.
For people who have traveled a lot and even lived in big and sometimes chaotic cities in the world, probably can relate to the ones that made it high in the rankings. Furthermore they can more likely understand why certain locations made it that high and others not.
Out of personal experience, New Dehli was the most shocking at arrival, and Sao Paulo was quite scary in the beginning, too. But as usual you get used to everything so much that it changes your perception of the city with time passing by.
Only when back in Munich, I realized how stressful Sao Paulo is. Wherever you wanto to go, it needs intensive planing and a lot of time! The most subtle kind of “stress” I felt, was that I was always afraid of being robbed. Which is why the “planing” became a daily routine. What do I take with me, what do I leave at home. Do I need the camera? Do I take a second wallet with a bit of money to give to the robber, just in case? Do I dress nicely today, wear high heels, or better flat shoes, in order to be able to run away more easily? My passport, better as a copy. My credit card, yes or no?
And then there’s the traffic and the lack of an appropriate subway infrastructure. It’s quite common that you would have to walk to the subway 20 minutes just for two stops, and then walk 20 minutes again. Unless you take the bus that doesn’t drive according to a schedule, because there is none.
And then there’s the weather… Humid, sometimes it rains heavily, flooding every street, sometimes it’s so hot you just sweat and sweat. Depending on what your plans are (important meeting, job interview, presentation?) the challenging question is how to dress for that day in order to avoid any embarassing.
Even though I really love this city for so many reasons, I could go on and on with the disadvantages of it.
Fair enough that Sao Paulo doesn’t appear in any of those rankings. But neither does New York City or Los Angeles. But in almost every single one of them there is Munich.
In the 2016 ranking regarding the quality of life Germany is representd by 3 cities (Munich, Dusseldorf, and Frankfurt) among the first 7!
Even in the ranking about which metropolis are recommendable for young people, Munich follows Berlin at number 9. New York, Los Angeles, or even London, didn’t make it into this list.
It seems like safety has become more and more important, probably due to current violent and political events in the whole world.
So if you are contemplating on moving abroad, the lists mentioned above might help you with your decision. However, one shouldn’t forget to listen to his heart, either.

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3 responses to “Lebensqualität in the city / Quality of Life in cities worldwide

  1. Gut geschrieben! Wir sind gerade nach NYC gezogen, und müssen jetzt jeden Morgen fast eine Stunde zur Arbeit, haben dafür aber eine schöne und relativ große Wohnung (absolut ausreichend für 2 Menschen und gelegentlich Gäste) zu einem guten Preis. Und man gewöhnt sich ja an fast alles…ich muss auch sagen, dass ich mich in der Stadt eigentlich fast immer recht sicher fühle, weil einfach immer so viel los ist. Aber es gibt Gegenden, da möchte ich nachts nicht alleine unterwegs sein…natürlich ist es in einer Großstadt gefährlicher, teurer und manchmal unbequemer als auf dem Land, wo man vielleicht ein großes Haus hat und die Nachbarn nicht nur eine Wand entfernt sind. Kinder möchte ich in New York auch nicht haben…einfach, weil man sie nicht alleine auf die Straße lassen könnte. Aber für jetzt ist diese Stadt genau richtig, egal wie gut oder schlecht sie in irgendeinem Ranking abschneidet. Dein Punkt ist trotzdem gut – man muss die Balance finden zwischen dem, was man möchte und dem, was man bereit ist, dazu aufzugeben…

    • Hallo Schokokamel! 🙂 Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ja, alles oder gerade die Wahl des Standortes hat oft seinen Preis. Was ich in meinem letzten Abschnitt nicht so deutlich gemacht habe, ist, dass ich im heutigen Verständnis meine, dass Sicherheit gleichzeitig in irgendeiner Weise immer mehr auch “Freiheit” bedeutet. Es kommt aber sehr wohl auf die Lebensphase an, in der man sich befindet, wie man seine Prioritäten setzt.
      Von Dir zu hören, dass ihr absolut zufrieden seid, in NYC zu leben, kann ich sehr gut nachvollziehen und freut mich sehr! Ich wünsche Dir eine fantastische, erlebnisreiche und unvergessliche Zeit in dieser aufregenden Stadt!

      • Danke schön! Ja, da hast du sicher recht…genau das meinte ich damit, dass ich mir nicht vorstellen kann, jemals meine Kinder hier groß zu ziehen. Ich bin selbst auf dem Land aufgewachsen, und auch wenn ich niemals dahin zurück möchte (zu wenig los), ich weiß auch, dass ich dafür in meiner Kindheit viel mehr Dinge alleine machen konnte, als ich es in der Stadt je gedurft hätte. Alles hat Vor- und Nachteile, und irgendwie ist das meiste vermutlich irgendwie ein Kompromiss. 🙂

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