Göre, unverwöhnt und umgewöhnt

1-img_9550-min“München ist sooo schön…” sagten meine Freundin und ich uns immer wieder, wenn wir durch die sonnigen hübschen Strassen Münchens spazierten. Wehmütig und vielleicht auch ein bisschen feige, den nächsten Schritt zu wagen. Bekanntes und Bekannte hinter uns zu lassen, und vielleicht auch die Bequemlichkeit unseres Lebens, in dem wir mit beiden Beinen fest drin stehen. Diese Spaziergänge waren schön und quälend zugleich. Uns begleitete immer dieses riesengrosse Fragezeichen “Sollen wir es tun oder doch lieber auf Nummer sicher gehen?”…

Was man bei all dem Grübeln oftmals vergisst: Wir Menschen sind solche Gewohnheitstiere… das hat sich so schön anhand meines Lebens (in München) vor, während und nach dem 1-jährigen Sabbatical gezeigt.

Als ich von meiner langen Auszeit zurück kam, wusste ich, dass München mich wieder langweilen würde, so wie früher schon oder sogar noch mehr, nach dem frenetischen Leben in Sao Paulo und Los Angeles.
Zum einen ist diese schöne, saubere, bayrische Stadt einfach viel zu “bequem”, um aufregend (genug für mich) zu sein. Das hier nur mal kurz gesagt. Den Einwohnern von Minga geht es einfach zu gut, um vor grossartiger Kreativität zu sprühen. Und das “einfach zu gut” ist auf der anderen Seite so erholend, wenn alles so einfach ist in einer Stadt. München macht das Leben für die meisten Menschen leicht und verschafft ihnen dadurch Stabilität auf leichtere Art und Weise.
Das ist einem erst einmal nicht so sehr bewusst, solange er nicht aus dieser komfortablen Zone austritt und sich mal andere Umstände und Zustände anschaut.

1-img_8543Als ich also zurück kam, empfand ich meine kleine 1,5 Zimmer als so dekadent – gross und funktionstüchtig -, dass ich eine Weile mit dem Gedanken spielte, in eine WG zu ziehen! Ich war erstaunt darüber, dass ich scheinbar von meiner geliebten Wohnung los gelassen hatte, und gleichzeitig auch froh darüber. Während des einen Jahres habe ich in Brasilien in WGs gelebt, mal in Bruchbuden, mal in großzügigeren Wohnungen mit Dachterrassen und Blick auf die Grossstadt. Auf Reisen habe ich immer die mittel bis billigsten Unterkünfte ausgesucht und mich mit sehr wenig Komfort zufrieden gegeben. Hauptsache Geld sparen, ein Bett und ein Dach übern Kopf.
(Anmerkung nebenbei: meine Kollegen und Bekannten, die mich nicht so gut kennen, hielten und halten mich immer noch für eine verwöhnte Göre… Ich bin mir aber sicher,  dass sie nicht mitgemacht hätten, was ich gemacht habe.)

Aber so langsam, gewöhnte ich mich an den Münchner Komfort. Ein Reich nur für mich, in einem Altbauhaus, mit hohen Decken, Parkettboden, grossen Fenstern, moderner Küche, in einer mega geilen Lage und dazu auch noch bezahlbar! Das ging relativ schnell, innerhalb von einem Monat konnte ich meine Bude wieder richtig wertschätzen.
Mein soziales Leben reduzierte sich allerdings aufs Nötigste… Da das Nachtleben und Kulturangebot nicht ganz meinen Geschmack treffen (also nicht aufregend genug sind), blieb ich wochenendweise ganz gerne Zuhause. Netflix und manchmal Freunde zu mir einladen, waren meine Lieblingsbeschäftigungen. Als Single fand ich das Kennenlernen von Männern in München auch nicht gerade reizvoll… Die wenigen interessanten und wirklich coolen Männer in meinem Alter sind schon vergeben. Der Rest ist leider ein wenig zu (‘tschuldigung!) provinziell. Nein, auch bei Tinder gab es in MUC keine coolen tätowierten Künstler oder anders sexy Typen. Nur Waschlappen.
Dasselbe in der Arbeit… Leider nur schmerzliche Langeweile.

Es musste sich was ändern. Und so kam es wieder zu diesem Hin-und Her-Grübeln. Dieses Mal war es härter, weil ich nach meinen Reisen den Komfort in München wesentlich mehr zu schätzen wusste. Ich wusste also genau, was ich aufgeben würde, wenn ich wegginge.

1-img_3781Jetzt bin ich auf begrenzte Zeit in New York City. Mithilfe meiner lieben Freunde, mit die liebsten und hilfsbereitesten auf der Welt!, konnte ich die ersten 3 Wochen (2 Wochen bei einer Freundin, 1 Woche bei einem Freund) bei ihnen unter kommen und wurde auch sonst in vielerlei Weise von ihnen unterstützt.

Seit gestern bin ich in einer WG in der Lower East Side. Allerdings nur für 3 Wochen. Danach muss ich wieder suchen, oder bei meinen Freunden zeitweise unterkommen. Es ist also weiterhin ein Hin und Her. Kein wirkliches Zurücklehnen, wie man es Zuhause nach einem langen Arbeitstag oder einer harten Woche tut. Ich und verwöhnt also?

In meinem neuen Zimmer habe ich ein Fenster. Das ist was ganz besonderes! Allerdings bekomme ich trotzdem kein Sonnenlicht rein, da es auf so eine Art Schacht hinausgeht. Das Fenster ist zudem nicht ganz zu zu kriegen. Es zieht also manchmal. Zum Glück ist es gerade in NYC noch recht untypisch mild für die Jahreszeit! Das Wohnzimmer ist sehr charmant mit Vintage Möbeln eingerichtet. Aber auch da geht das Fenster nicht ganz zu… Die Küche ist für New Yorker Verhältnisse recht gross. Abgesehen von den abgebrochenen Türhaltern an den Schränken, scheint alles gut zu sein. Mit dem Verstauen von Dingen muss man hier ein bisschen improvisieren. Achtung! Hier ist schon die erste Gelegenheit für Kreativität!
Die Mülltonnen sind einfach zu finden – man riecht und sieht sie mitten im Hausflur. Ein wahres Schmankerl. Meine Freunde hier sagen, dass ich echt Glück habe! Persönlich finde 1-img_3816ich mein Glück auf dem Dach, wo man einen wunderbaren Blick auf die Stadt hat und die wirklich abgefahrenen Sonnenuntergänge New Yorks sehen kann.
$1.440 zahle ich für die 3 Wochen hier. Ein wahres Schnäppchen, sagen die New Yorker.

Manchmal frage ich mich schon, ob ich nicht doch in München besser aufgehoben bin. Da ist alles so einfach und bequem… Und meine wirklich schöne Wohnung kostet nur EUR 840,- im Monat!

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SJP @ The Fast Company Innovation Festival

Aber Zac Efron im selben Kinosaal sitzen zu haben, oder Amber Valletta und Julianne Moore in einem Buchladen, und Jeff Bridges an einem vorbei laufen zu sehen, Sarah Jessica Parker über Business sprechen zu hören oder einen Tag mit Vanity Fair am Set zu sein, jeden Tag neue und vor allem interessante Leute kennen zu lernen, …das ist New York, und das ist einfach unbezahlbar.

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Condé Nast Studios @ World Trade Center 

Wenn man weiss, was man will und was einem wichtig ist, muss man auch wissen, ob man bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen. Manchmal kann man wirklich alles haben. Manchmal dauert es so seine Zeit, bis man dort angekommen ist, wo man sich alles erlauben kann.

Bis dahin muss man eben “unverwöhnt” sein und sich umgewöhnen. Und  sich trotzdem dabei treu bleiben. Das wird dann auch belohnt. Davon bin ich fest überzeugt.

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